Die Entstehung des chinesischen Horoskops
Eine uralte Legende erzählt, dass der sagenumwobene Jadekaiser Yu Di – manche Überlieferungen teilen diese Rolle nicht Yu Di, sondern Buddha zu – eine Tages die Tiere der Schöpfung zu sich bat und ihnen für ihr Kommen eine Belohnung versprach. Er soll sehr enttäuscht gewesen sein, weil nur zwölf Tiere seiner Einladung Folge leisteten. Zuerst kam die Ratte, dann der Büffel und weiters der Tiger, der Hase, der Drache, die Schlange, das Pferd, die Ziege, der Affe, der Hahn, der Hund und schließlich das gute alte Schwein.
Also belohnte Yu Di bzw. Buddha diese zwölf Tiere reichlich, indem er ihnen jeweils ein ganzes Jahr schenkte – und zwar in der Reihenfolge, wie sie gekommen waren. So ist seitdem jedes Jahr von den Merkmalen eines der zwölf Tiere gekennzeichnet. Aber nicht nur das ganze Jahr selbst mit allen seinen Ereignissen steht unter dem Einfluss des regierenden Tieres, sondern auch der Mensch, der in diesem Jahr geboren wurde. Der Charakter und das Schicksal eines Menschen werden also von „seinem“ Tier bestimmt – soweit die Legende.
Ein chinesisches Sternzeichen ist ein Universum für sich mit eigenen Gesetzen und Wirkungsweisen und völlig unabhängig von den anderen Zeichen. Das asiatische Symbol bietet sich an wie ein Geschenk der Götter, der Zeit und des Mysteriums. Man darf keinen festen Rahmen suchen, keine fest gefügte Struktur. Ein chinesisches Sternzeichen ist ein weiches fließendes Bild, das Wandlungen und Widersprüchen unterworfen ist. Es kann ein köstliches, aber auch ein vergiftetes Geschenk sein, das der Orientale mit Ergebenheit annimmt, weil er weiß, dass beides von einander abhängig ist und sich ergänzt.
Daher deuten die Asiaten ein chinesisches Sternzeichen auch anders als wir. Für den Chinesen ist es nicht von Bedeutung, welche Fähigkeiten oder charakterlichen Schwächen er in seinem Horoskop hat, sondern wie er Harmonie und innere Freiheit erlangen kann. Er ist davon überzeugt, dass er das nur dann schafft, wenn er so wird wie das Tier, welches ihm durch seine Geburt zugeordnet wurde.
Andreas Koch - andreas69koch/a/googlemail.com